Die Ballade an den Herzog von Burgund
Mein sehr verehrter Landesherr: zuvor
ergebnen Gruß. Ich bin zwar kein berühmter Mohr,
kein Kardinal und kein Minister oder so,
ich heiße kurz: Villon, bin unbeweibt
(was allerdings nicht heißt, daß sich kein Weib
an mir mehr reibt,
wenns ihr so ist nach solchem Zeitvertreib).
Ansonsten bin ich froh,
wenn mir kein Pastor, dems nach meiner Seele juckt,
auf die polierten Stiefel spuckt.
 Nun hat nach einer netten kleinen Sauferei,
am Hafen unten, jemand ein Geschrei
um seinen Hut gemacht, der flog ihm wohl vom Kopf
und aus der Scheide auch zugleich das Schwert.
Da habe ich mich eben notgewehrt,
mehr war er auch nicht wert, der Tropf.
Nun soll ich hier in diesem Affenstall
den Lohn empfangen für den Sündenfall.
 
Der Affenstall an sich, der stachelt mich
nicht allzu sehr; nur das ist widerlich,
daß man kein Geld im Beutel hat.
Ich hänge sozusagen in der Luft
und werde hin und her gepufft
wie ein verschrobenes Brombeerblatt.
Kurzum, mein Herr, es liegt in deiner Macht
wenn der Villon mal wieder lacht.
 Ich habe nie bei armen Leuten angeklopft,
mir oft genug mit Wind das Maul gestopft.
Du aber, Herr, wirst diese Ehre schon
zu schätzen wissen ... dachte so an dreißig Pfund

in Gold. Ich zahl natürlich, wenn mich Gott gesund erhält.
 
 
 
zurück zur Gedichtsauswahl 
 
Datenschutzerklärung
Kostenlose Homepage erstellen bei Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!