Kashai von Überall

(Strophe ohne Akkorde)
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Ich ritt von Gwarras nach Turlachnioch.
Mein Hengst wollte lieber verweilen.
Er bockte und bäumte, und ich zwang ihn doch,
und wie Pulsschläge schwanden die Meilen.
Und immer über den nächsten Hügel;
da saß ein Mädchen im Grase.
Ich lockerte einen Moment die Zügel:
Pardauz! lag ich auf der Nase.
Augen kamen von irgendwoher auf mich zu,
und ich murmelte halb bewusst: Wer bist’n du?

Refrain: Kashai vom Hügel und Kashai vom Tal,
Kashai vom Anger und Kashai vom Stall,
Kashai vom Wald und vom Wasserfall –
Kashai von Überall.

Sie wischte mir aus dem Munde das Blut,
half mir Arme und Beine bewegen.
Ich lag ihr im Schoße, und alles war gut,
und ich wär gern noch lang dort gelegen.
Da sprach sie zu mir: "Es wird Zeit zu gehn.
Komm mit, vergiss Kummer und Sorgen!
Bring ich einen Gast, ist er gerne gesehn.
Komm mit, denn ich heirate morgen." –
Sie heiratet! Einsam ums Herz wurde mir.
Fortgehn hätt ich sollen, doch ging ich mit ihr.

Am Tag darauf trank am Feuer ich Bier,
und sie tanzten und lachten und sangen.
Die Sonne am Himmel, doch Regen in mir,
denn ich sah ihre strahlenden Wangen.
Und ihr Mann kam herbei: "Ich bin Leroy MadGlas,
ein Söldner mit Ehre im Leibe.
Auch du kennst die Ehre – verspreche mir das:
Bin ich fort, schau nach meinem Weibe!" –
Ich fragte: "Du traust mir? Wir sahen uns nie!" –
Er lachte: "Sie will es, und sie täuscht sich nie!"

Ein Jahr hernach schoren wir Schafe am Wald.
Plötzlich krümmte sie sich, und sie klagte:
"Es reicht nicht mehr heim! So hilf du mir!" – Und bald
hielt ein Kind ich im Arme. – Sie sagte,
die Beine gespreizt und vom Blut verschmiert:
"Niemand hat Kashai je so gesehen!
Wäre Leroy nicht, hättest wohl du mich verführt,
doch das Schicksalsrad kann ich nicht drehen.
Doch auch so bist du mein. Es ist zu viel geschehn."
Fortgehn hätt ich sollen – doch wie konnte ich gehn?

Nun sitz ich am Feuer und denke zurück,
wie ein Ritt verändert ein Leben.
Weiß immer noch nicht: War es Pech, war es Glück?
Es ist, was die Götter mir geben.
Ich hab viel erlebt, hab mich nie vermählt.
So wird’s weiter gehen und enden.
Gäb’s einen Platz nur, hätt ich diesen gewählt.
Ich halt wieder ein Kind in den Händen.
Und fällt einem Fremden zu fragen ein:
"Wie heißt sie? Dein Enkeltöchterlein?"


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